„Mit ETFs einfach und günstig an der Börse investieren“. Diese oder ähnliche Schlagzeilen gab es in den letzten Jahren zuhauf. Die Exchange Traded Funds (ETFs) haben 2024 allein in Deutschland Mittelzuflüsse von 22,2 Milliarden Euro verzeichnet. In den USA machen passive Anlagen in ETFs mittlerweile fast 60 % der gesamten angelegten Gelder aus.
ETF-Anbieter werben mit niedrigen Kosten, breiter Risikostreuung und einfacher Ausgestaltung um die Gunst der Privatanleger. Nachteile der Indexfonds werden dabei meist unerwähnt gelassen. Wer darüber nachdenkt, in einen ETF zu investieren, sollte sich jedoch intensiv mit dieser Investmentform auseinandersetzen und dabei auch die Nachteile nicht außer Acht lassen.
Hier stellen wir Ihnen 12 Punkte vor, die Sie über ETFs wissen sollten, um eine informierte Anlageentscheidung zu treffen.
1. Was sind ETFs überhaupt?
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung ETF, englisch für Exchange Traded Fund, für Fonds verwendet, welche die Wertentwicklung eines bestimmten Index, z.B. des DAX, eins-zu-eins abbilden.
ETFs werden daher häufig als Indexfonds bezeichnet. Sie verfolgen meist eine passive Anlagepolitik, d.h. sie bilden die entsprechenden Indizes automatisiert nach. Die Art der Titel, deren Anzahl und Gewichtung richten sich nach einem Referenzindex. ETF-Anleger folgen somit der Wertentwicklung des Index in guten wie in schlechten Börsenzeiten.
ETFs können aber auch eine aktive Anlagepolitik verfolgen, wenn der entsprechend ausgewählte Referenzindex eine aktive Anlagepolitik abbildet.
Und was ist ein aktiv verwalteter Fonds?
Aktiv verwaltete Fonds bilden in der Regel keinen Referenzindex starr nach. Anlageentscheidungen werden durch Fondsmanager getroffen, die (hoffentlich) über tiefgreifende Kenntnisse der internationalen Kapitalmärkte verfügen und umfangreiches Research betreiben.
Grundsätzlich suchen aktive Fondsmanager im gesamten zur Verfügung stehenden Anlagesegment die jeweils vielversprechendsten Anlagen aus. Sie achten dabei unter anderem auf Branchenaussichten, Wettbewerbsvorteile, Finanzkennzahlen und aktuelle Bewertungen, auf deren Basis fundierte Anlageentscheidungen getroffen werden.
2. Niedrige Kosten von ETFs bedeuten nicht automatisch eine höhere Rendite
Erfolgreichstes Verkaufsargument für ETFs sind deren vergleichsweise niedrige Produktkosten. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass die passiven Indexfonds darum auch die bessere Wahl für Anleger sind und mehr Rendite bringen.
Welche Kosten in ETFs entstehen
In den abzubildenden Indizes selbst fallen keinerlei Kosten an, bei der Verwaltung eines Fonds, der diese abbildet, allerdings schon. Kosten entstehen unter anderem für die Auflage eines ETF, seine Verwaltung, die Anpassungen an den abzubildenden Index (laufende Transaktionskosten), Lizenzen für die Abbildung von Indizes sowie für Werbung und Vertrieb. Last but not least möchte auch die ETF-Fondsgesellschaft Gewinne erzielen.
Viele ETFs werben damit, ohne Ausgabeaufschlag handelbar zu sein. Das ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal, da es auch aktiv verwaltete Fonds ohne Ausgabeaufschlag gibt.
Insgesamt liegen die Kosten von ETFs je nach Fondsgesellschaft, Größe des Fonds und Art des abgebildeten Index meist zwischen 0,1 % und 0,8 % pro Jahr.
Daraus folgt: Um die Höhe dieser Kosten muss die Performance eines Indexfonds per Definition immer hinter dem abgebildeten Referenzindex zurückbleiben. Anders als ein aktiv verwalteter Fonds hat ein Indexfonds also noch nicht einmal die theoretische Chance, seinen Index zu schlagen.
Achtung bei kostenfreien Lockangeboten
Mittlerweile gibt es sogar Anbieter, die ETFs ohne laufende Kosten anbieten. Kostenfreie Angebote sollten Anleger aber immer stutzig machen. Schließlich muss die Fondsgesellschaft zumindest ihre Kosten decken und will langfristig auch Geld verdienen. Oft sind solche Angebote entweder Lockangebote mit begrenzter Dauer, die über Depotkosten querfinanziert werden oder der Anbieter kann durch die Mittelzuflüsse anderweitig Geld verdienen. Dazu können je nach Jurisdiktion z.B. der Verkauf der im ETF zu tätigenden Transaktionen (Payment for Order Flow) an Dritte zu Lasten der ETF-Anleger (Frontrunning) oder Wertpapierleihe gehören. Solche Praktiken senken letztendlich oft die Performance oder erhöhen das Risiko für die Anleger.
(Versteckte) Kosten eines Strategiedepots aus mehreren ETFs
Depots mit mehreren ETFs können relativ günstig sein, wenn Anleger alle Entscheidungen über die Aufteilung nach Anlageklassen, Branchen, Ländern und Währungen selbst treffen und sich auch selbst um die Umsetzung samt Überwachung und Anpassungen kümmern.
Die Auswahl eines oder mehrerer ETFs ist jedoch eine aktive und komplexe Anlageentscheidung und keineswegs so trivial wie oft beworben. Wird dafür externe Unterstützung in Anspruch benommen, z.B. in Form von Honorarberatern (die so „beraten“ müssen, dass wiederkehrende Konsultationen nötig sind, da sie auch nicht weniger als andere provisionsorientierte Vermittler verdienen möchten), Robo-Advisorn, Anlageberatern oder Vermögensverwaltern oder wird die Strategie in einen Versicherungsmantel gepackt, so reduziert sich der Kostenvorteil einer passiven Fondsanlage stark und verkehrt nicht selten gar ins Gegenteil. Anleger können die für ihr privates Depot anfallenden Honorare der externen Berater oder Verwalter steuerlich nicht verrechnen.
Und sieht es bei aktiv verwalteten Fonds mit den Kosten aus?
Die aktive Aktienfondsverwaltung trifft komplexe Anlageentscheidungen in einem sich ständig verändernden Umfeld. Dafür ist ein hervorragend ausgebildetes und erfahrenes Fondsmanagement nötig. Diese Expertise schlägt sich in höheren Fondskosten nieder. Im Gegensatz zu ETFs haben aktiv verwaltete Fonds allerdings die Chance, höhere Renditen als die passive Anlagepolitik der ETFs zu erzielen und diesen Kostennachteil dadurch wieder auszugleichen.
Natürlich ist dies umso schwieriger zu erreichen, je höher die Kosten eines aktiv verwalteten Fonds sind. Aus unserer Sicht ist eine reale Gesamtkostenquote (Gesamtkostenquote + Transaktionskosten + ggf. anfallende erfolgsabhängige Zusatzvergütungen) von bis zu 2 % p.a. tragbar und „fair“. Leider gibt es zahlreiche Fonds, die reale Gesamtkostenquoten von über 2 % bis über 5 % aufweisen und in den meisten Fällen schon allein aus diesem Grund durch unterdurchschnittliche langfristige Wertentwicklungen negativ auffallen und den Ruf der Fondsbranche schädigen. Dies macht es für ETF-Anbieter leicht, Kunden solcher Fonds anzuwerben.
3. Ständige Handelbarkeit von ETFs an der Börse zieht auch Spekulanten an
ETFs sind an Börsen ständig handelbar, da die zugrundeliegenden Indizes stetig von Computerprogrammen berechnet werden. Die Programme können beim Handel mit ETF-Anteilen Preise so stellen, dass diese nahezu identisch mit den aktuellen Indexständen sind. Der Handel mit ETFs findet dadurch nahe der tatsächlichen Indexstände statt. Dies ermöglicht es, eine entsprechende Exposition zu Anlagen über ETFs auch durch sehr kurzfristiges Handeln zu erzielen. Zahlreiche Studien über die Haltedauer von ETFs bei Anlegern zeigen, dass diese im Durchschnitt mit wenigen Wochen tatsächlich relativ kurz ist.
Beim Handel an der Börse wechseln die Anteile eines ETFs nur den Besitzer. Sie werden also nicht an die Fondsgesellschaft zurückgegeben. Diese muss deshalb keine meist ertraglosen liquiden Mittel vorhalten.
Aktiv verwaltete Fonds: an der Börse für die Langstrecke
Auch aktiv verwaltete Fonds können grundsätzlich an einer Börse gehandelt werden. Der Erwerb über die Börse macht hier jedoch nur in Ausnahmefällen Sinn. Im Gegensatz zu ETFs wird der Anteilswert von aktiv verwalteten Fonds von der Fondsgesellschaft nur einmal am Tag zu einem festen Bewertungszeitpunkt festgestellt. Aufgrund der nur einmal täglich erfolgenden Preisermittlung ist bei einer Ordererteilung über die Börse der aktuelle Nettoinventarwert des Fondsanteils in der Regel nicht bekannt. Den Preis an der Börse stellt ein Börsenmakler (Market Maker), der dein Preis „schätzt“, eine begrenzte Menge anbietet und sich nach einem Börsengeschäft bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft eindeckt, um das „Risiko“ glatt zu stellen. Vor allem bei starken Kursschwankungen kann es daher an Börsen große Differenzen zwischen den An- und Verkaufskursen eines aktiv verwalteten Fonds geben.
Aus diesem Grund sollten Fondsanteile wann immer möglich über die Fondsgesellschaft und nicht über die Börse erworben werden, insbesondere dann, wenn der Fonds ohne Ausgabeaufschlag erhältlich ist. Aktiv verwaltete Fonds richten sich daher an langfristig orientierte Anleger, die ihr Vermögen erhalten und mehren wollen. Zur kurzfristigen Spekulation oder zum Daytrading sind sie nicht geeignet.
4. ETFs können Klumpenrisiken bergen
Neben den geringen Kosten wird oft die automatisierte breite Streuung auf viele Einzeltitel und damit verbundene Risikominderung als Kaufargument für ETFs angeführt. Anleger müssen sich um nichts kümmern und nur eine einzige Entscheidung treffen, nämlich welchen ETF sie erwerben. Soweit die Theorie. Doch welche Titel sind in einem ETF wirklich enthalten und wie sieht es mit der breiten Streuung in der Praxis aus?
Folgen einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung
In vielen Indizes, wie z. B. beim DAX, MSCI World und S&P 500, richtet sich die Gewichtung der einzelnen Aktien nach ihrer Marktkapitalisierung. Dies kann dazu führen, dass eine Konzentration auf wenige Titel (z.B. die „Magnificent Seven“ im S&P 500) oder bestimmte Regionen entsteht (z.B. über 70 % US-Aktien im MSCI World oder Abbildung von 40 deutschen Unternehmen im DAX). Anleger, die ausschließlich in einen solchen ETF investieren und glauben, damit breit zu diversifizieren, haben sich in Wahrheit ein Klumpenrisiko ins Depot geholt.
Zur wirklichen Diversifikation und Risikostreuung müssen ETF-Anleger also aktive, komplexe Anlageentscheidungen über die Zusammensetzung ihres Portfolios treffen. Nach der Erstanlage sollten sie zudem weiter auf dem Laufenden bleiben, um gegebenenfalls Anpassungen am Portfolio vornehmen zu können, falls sich die Marktlage ändern sollte.
Anlagechancen bleiben ungenutzt
Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung hat noch weitere Folgen: In der Vergangenheit besonders stark gestiegene und oft überbewertete Aktien sind im Index hoch gewichtet bzw. rücken in den Index auf, während Aktien mit schwacher Kursentwicklung trotz häufiger Unterbewertung niedrig gewichtet sind bzw. aus dem Index herausfallen. Günstige Anlagechancen können daher nicht genutzt werden, ganz gleich, ob das Portfolio aus einem oder mehreren ETFs besteht.
Auch wenn der Index keine Gewichtung nach Marktkapitalisierung vornimmt, ergeben sich Probleme: Im Dow Jones oder Nikkei 225 erfolgt z.B. eine Gewichtung auf Basis des Durchschnitts der Aktienkurse. Unternehmen mit hohen absoluten Aktienkursen haben daher eine hohe Gewichtung im Index. Würde ein Unternehmen seine Aktienanzahl verdoppeln und sich der Kurs halbieren, wäre auch die Indexgewichtung nur noch halb so groß. Die Gewichtung erfolgt daher willkürlich.
Aktives Management: Breite Streuung – aber wirklich
Aktiv verwaltete Fonds haben die Möglichkeit, eine breite Streuung nach Branchen, Ländern und Währungen und damit eine echte Diversifikation zu bieten. Klumpenrisiken wie die Konzentration auf bestimmte Sektoren oder geographische Regionen können bewusst vermieden werden. Zudem können Anlagechancen genutzt und unterbewertete Aktien zu günstigen Einstiegszeitpunkten erworben werden, mit dem entsprechenden langfristigen Nutzen für die Anleger.
5. Wer ETFs erwirbt, kauft nicht immer Sachwerte
Oft haben Anleger, die im guten Glauben, sich an Sachwerten zu beteiligen, ETFs erworben haben, in Wahrheit keine Sachwerte im Depot. Denn ETFs können Indizes grundsätzlich auf drei verschiedene Weisen abbilden.
Physische Replikation: Erwerb aller Einzeltitel
Bei der vollen physischen Replikation werden alle Einzeltitel eines Index im ETF erworben. Bei Indizes mit einer begrenzten Anzahl an Einzeltiteln, die alle sehr liquide sind, funktioniert dies relativ gut. Dazu gehören z.B. der DAX, Eurostoxx 50 oder Dow Jones. Doch je mehr Einzeltitel ein Index aufweist, desto mehr Transaktionen muss der ETF zur Replizierung durchführen. Dadurch steigen die Kosten. Der Erwerb von einzelnen Titeln für den ETF kann zudem die Kurse prozyklisch und damit zu Ungunsten der ETF-Anleger beeinflussen.
Sampling: teilweiser Erwerb von Einzeltiteln
Die Sampling-Replikationsmethode soll auf Basis statistischer Auswertungen einen Index näherungsweise abbilden. Dafür werden Einzeltitel ebenfalls physisch erworben, jedoch nicht alle im Index befindlichen. Gerade bei Indizes mit einer hohen Anzahl an Einzeltiteln oder illiquiden Einzeltiteln kann diese Methode Kostenvorteile gegenüber der vollen physischen Replikation haben. Dies geht jedoch zu Lasten einer exakteren Replikation. Angewendet wird diese Methode beispielsweise häufig bei der Abbildung des MSCI World oder des MSCI Emerging Markets.
Synthetische Replikation: kein direkter Kauf von Wertpapieren
Die synthetische Replikationsmethode bildet Indizes nicht durch den physischen Kauf der Wertpapiere ab. Das Geld der Anleger wird also nicht in Aktien eines Index angelegt. Vielmehr erwirbt der Fonds Derivate und Swaps von verschiedenen Gegenparteien aus der Finanzbranche. Diese bilden die Performance der Einzelindizes „synthetisch“ nach. Als sogenanntes Trägerportfolio dienen meist Anleihen, darunter häufig Anleihen von Finanzinstituten.
In diesen Fällen erwerben Anleger keine Aktien (Sachwerte), sondern schuldrechtliche Forderungen, also gerade das, was mit dem Erwerb eines Aktienfonds vermieden werden sollte. Zur Anwendung kommen synthetische ETFs insbesondere, weil die Kosten für die ETF-Fondsgesellschaften gering sind und die Intransparenz des Produkts zusätzliche Verdienstmöglichkeiten bietet. Rohstoff-, Smart-Beta- oder Faktor-ETFs können nur auf die synthetische Replikation zurückgreifen.
6. Achtung bei Smart-Beta- und Faktor-ETFs
Zusatzerträge oder Zusatzrisiken für ETF-Anleger?
ETF-Anbieter haben unter den Bezeichnungen „Smart-Beta“ oder „Faktor-ETFs“ gehebelte, inverse, strukturierte und regelbasierte Produkte entwickelt. In diesen ETFs sind die Aktien anders gewichtet als im jeweiligen Referenzindex. Die Gewichtung kann dabei nach einer Reihe von Faktoren erfolgen.
Die bekanntesten Faktoren gehen auf das 1992 von Eugene Fama und Kenneth French entwickelte Drei-Faktoren-Modell zurück, eine Erweiterung des Capital Asset Pricing Models. Das Modell versucht, Renditen von Aktien anhand der drei Faktoren Marktrisiko, Überrendite von kleinen Firmen gegenüber großen Firmen und Überrendite von Firmen mit geringem Kurs-Buch-Wert (Value) gegenüber hohem Kurs-Buch-Wert (Growth) zu erklären. Mark Carthart erweiterte 1997 das Modell um einen Momentum-Faktor. Während über die vorangegangenen Faktoren weitgehend Konsens herrscht, wollen Wissenschaftler und Praktiker weitere Faktoren, insgesamt über 100, ermittelt haben und streiten über deren Relevanz. Für viele dieser Faktoren gibt es entsprechende ETFs, die versuchen durch Ausnutzung der Faktoren Überrenditen zu erzielen.
Neben den genannten Faktoren werden Smart-Beta ETFs z.B. auch nach Faktoren wie „Dividende“ (Aktien mit hoher Dividende) oder „Low Volatility“ (Aktien mit geringer Schwankungsbreite) gewichtet. Welche Aktien mit welcher Gewichtung im ETF enthalten sind, ist bei diesen Produkten noch weniger nachzuvollziehen als bei „klassischen“ ETFs. In besonderem Maße gilt dies für Multi-Faktor ETFs, die mehrere Faktoren bei der Auswahl kombinieren.
Solche ETFs wählen häufig eine synthetische Replikation und die Performance wird zudem oft mit Derivaten, Swaps, Krediten, Leerverkäufen und Wertpapierleihgeschäften aufgepeppt.
Aktive Anlagepolitik zugunsten der ETF-Anbieter statt der Anleger
Smart-Beta ETFs sind weder Indexfonds noch passive Produkte. Ihrer aktiven Anlagepolitik stehen natürlich auch höhere Produktkosten gegenüber. Es besteht die Gefahr, dass diese Kosten nicht immer vollständig ausgewiesen werden, weil sie zu einem erheblichen Teil in den intransparenten Einstandspreisen von Derivaten wie Swaps und Zertifikaten enthalten sind und so verborgen bleiben können. Letztendlich dienen Smart-Beta und Faktor-ETFs vor allem den ETF-Anbietern, die auf diesem Weg ihre Erträge steigern können.
7. ETFs nutzen Wertpapierleihe in erheblichem Umfang
Aktien und Anleihen in einem Portfolio können für einen bestimmten Zeitraum an eine Drittpartei wie Hedgefonds oder Banken verliehen werden. Ziel dieser Praxis ist es, eine bessere Wertentwicklung zu erzielen. Denn für die entliehenen Wertpapiere erhält der Fonds nicht nur Sicherheiten wie z.B. Anleihen, sondern auch eine Leihgebühr. Diese fließt allerdings oft nicht im gesamten Umfang dem Fondsvermögen zu. Den Rest streicht die Fondsgesellschaft ein. Zu 100 % verbleiben im Fonds aber die Risiken der Wertpapierleihe.
Was geschieht, wenn die Wertpapierleihe schiefgeht?
Die Wertpapierleihe kann auch schiefgehen. Z. B. kann ein Hedgefonds die geliehenen Aktien verkaufen, um sie später billiger zurückzukaufen und sich dabei verspekulieren, in Schieflage geraten oder gar ausfallen. Das Risiko tragen die Anleger des ETF. Den möglichen Ertrag bekommen sie aber nur zum Teil. Noch dazu haben sie nicht Sachwert „Aktien“ im Depot, sondern nur Rückgabeansprüche gegenüber einem ggf. notleidenden Finanzinstitut.
Wertpapierleihe erfolgt immer gegen die Interessen der Fondsanleger, welche die Wertpapiere verleihen, da der Leihende auf fallende Kurse spekuliert und die geliehenen Aktien zu diesem Zweck nutzen möchte.
8. Wer ETFs hält, muss oft mit höheren Schwankungen leben
Kursschwankungen gehören zu den charakteristischen Merkmalen der Anlageklasse Aktien. Damit müssen sich alle Anleger abfinden. Schlagen Aktienkurse allzu sehr nach unten aus, löst dies oft Verunsicherung, Angst und Sorge aus, die durch apokalyptische Schlagzeilen häufig noch verstärkt werden.
ETFs sind prozyklisch
Während die Kursschwankungen durch die Schlagzeilen selbst nicht verstärkt werden, trägt das prozyklische Verhalten von ETFs tatsächlich dazu bei, dass Kursübertreibungen bei einigen Aktien verschärft werden. Sinkt die Marktkapitalisierung einer Aktie nämlich unter ein bestimmtes Niveau, wird diese Aktie aus dem Index entfernt und durch eine andere Aktie ersetzt, die in der jüngsten Zeit so stark gestiegen ist, dass sie die für den betreffenden Index geltende Mindestkapitalisierung überschritten hat.
Hinzu kommt, dass ETFs durch ihre einfache Handelbarkeit häufig für kurzfristige Wetten auf direktionale Bewegungen am Aktienmarkt genutzt werden. Auch dies erhöht die Volatilität an den Börsen.
Aktives Management kann antizyklisch agieren
Aktives Management agiert im Idealfall antizyklisch, d.h. gegen die vorherrschende Marktmeinung. Dadurch weisen aktiv verwaltete Fonds in der Hausse wie in der Baisse typischerweise geringere Ausschläge auf als die jeweilige Marktentwicklung. Anleger, die Wert auf eine möglichst geringe und damit „nervenschonende“ Volatilität legen, sollten dies bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.
9. ETFs bergen Liquiditätsrisiken
Indexfonds haben mittlerweile einen beachtlichen Anteil am Handelsvolumen an den Kapitalmärkten. Kommt es zu vordefinierten negativen Ereignissen (z.B. Rücksetzern um einen bestimmten Prozentsatz), so erteilen die trendfolgenden Computerprogramme, die den Handel mit ETFs mittlerweile bestimmen, selbständig gewaltige Verkaufsorders.
Dies kann einer panikartigen Verkaufswelle über die Börse führen und letzten Endes dazu, dass sich der Preis der Anteile nicht mehr nach ihrem inneren Wert, sondern nach Angebot und Nachfrage richtet. Dabei kann der Börsenkurs eines ETF-Anteils erheblich unter den inneren Wert fallen.
Insbesondere Anleihen-ETFs bergen Liquiditätsrisiken. Wer über ETFs in weniger liquide Anleihen investiert ist, hat ein erhöhtes Liquiditätsrisiko im Portfolio. Schwierigkeiten, diese Anleihen zu verkaufen, können zu fallenden Kursen und damit zu Verlusten bei Anleihen-ETFs führen. Auch bei Staatsanleihen-ETFs können sich Probleme ergeben, insbesondere wenn höher verschuldete Staaten im Index höher gewichtet sind. Anleiheaufkaufprogramme von Notenbanken führen hier zu Liquiditätsverzerrungen, was ebenfalls Kursverwerfungen mit sich bringen kann.
„Flashcrash“ am Schwarzen Montag 2015
Das besondere Volatilitätsrisiko der Indexfonds offenbarten die Marktturbulenzen am 24.08.2015. An diesem „Schwarzen Montag“ eröffnete der Shanghai Composite Index wegen großer Sorgen um die chinesische Wirtschaft mit einem sogenannten „Gap“. Die Erstnotiz am Montagmorgen lag weit unter dem Schlusskurs des Freitags. Dieser plötzliche Rücksetzer löste bei den Indexfonds in Japan, Europa und den USA tausende Stopp-Loss-Order aus. Es kam zu einem raschen und heftigen Kursverfall. Einzelne ETFs in den USA brachen nicht nur um den Prozentsatz der Indizes, sondern weit stärker ein, teilweise um bis zu 50 Prozent. Zwar blieb der Spuk ein kurzer, sodass Experten von einem ETF-„Flashcrash“ sprachen. Doch wer in dieser Zeit verkaufte, erlitt erheblichen Schaden.
Zu einem Flashcrash kam es auch am 5. April 2024 an der Deutschen Börse. Nach Bekanntgabe der positiven US-Arbeitsmarktdaten gingen Marktteilnehmer davon aus, dass es nicht zu einer baldigen Zinssenkung kommen würde. Diese (für Aktienmärkte eher negativen) Nachrichten sorgten für erhöhte Volatilität an den Märkten. Market Maker fuhren ihre Aktivitäten zurück, so dass Verkaufsorders plötzlich nicht mehr ausgeführt werden konnten. Der Kurs des MSCI World ETF von BlackRock fiel um etwa 5 %, was wiederum automatische Stopp-Loss-Orders auslöste. Die Kettenreaktion wurde durch einen automatischen Schutzmechanismus der Börse gestoppt.
Aktiv verwaltete Fonds: aktives Liquiditätsmanagement zur Verringerung der Liquiditätsrisiken
Bei aktiv verwalteten Fonds kann die Ausgabe und Rückgabe von Anteilscheinen börsentäglich über die Kapitalverwaltungsgesellschaft zum Ausgabe- und Rücknahmepreis erfolgen. Auch der Nettoinventarwert der Fondsanteile wird börsentäglich ermittelt. Liquiditätsrisiken bestehen selbstverständlich auch in aktiven Fonds. Im Unterschied zu ETFs muss hier jedoch das Fondsmanagement dafür sorgen, dass ausreichend Liquidität vorhanden ist, um Anteilscheinrückgaben zu bedienen.
10. ETFs verändern Marktmechanismen und stören die Preisfindung an den Börsen
Die grundlegende Funktion von Kapitalmärkten ist die Bestimmung von Preisen durch Angebot und Nachfrage. ETFs tragen hierzu in keiner Weise bei, sondern folgen nur Indexentwicklungen. Während die Preisfindung durch die Verarbeitung von Informationen mit Kosten verbunden ist, die im Rahmen der Meinungsbildung entstehen (z.B. für Research oder Arbeitszeit), fallen diese bei ETFs nicht an.
Wer einen Indexfonds kauft, erwirbt indirekt alle dessen Aktien im gleichen Verhältnis wie sie im Index vertreten sind. Indexfonds entkoppeln die Nachfrage nach Einzelaktien von der Ertragssituation und den Zukunftsaussichten der hinter ihnen stehenden Unternehmen.
In den USA machen passive Anlagen in ETFs mittlerweile fast 60 % der gesamten angelegten Gelder aus. Je größer der Marktanteil der Indexfonds am Börsenhandel insgesamt wird, desto stärker wird also die Bewertung von Einzelaktien und damit deren Anteil im jeweiligen Index von einer immer kleiner werdenden Zahl aktiver Anleger bestimmt, die attraktive Anlagechancen daher immer besser nutzen können. Zugleich gilt: Je kleiner die Anzahl der aktiven Anleger wird, desto weiter öffnet sich das Tor für Kursmanipulationen.
Würden ETFs das gesamte Handelsvolumen an Börsen ausmachen, dann würden alle Aktien bei Zuflüssen in ETFs gleich stark steigen und bei Abflüssen gleich stark fallen, die Gewichtung der einzelnen Aktien würde immer identisch bleiben. Somit würde das Preissignal ausbleiben, das wichtige Informationen über Produkte und Märkte für eine effiziente Kapitalallokation liefert.
11. ETF-Anbieter beeinflussen die Geschäftspolitik von Unternehmen im Eigeninteresse
Passive Anlageinstrumente sollten nicht aktiv in das Unternehmensgeschehen eingreifen, denn dann wären die Anlagepolitik aktiv. In der Praxis nutzen ETF-Anbieter jedoch die Stimmrechte der in ETFs gehaltenen Aktien zu ihrem eigenen Vorteil. Da ETF-Anbieter durch die hohen Mittelzuflüsse immer größer werden, haben sie immer größeren direkten Einfluss auf Unternehmen. Große Indexfondsanbieter sind mittlerweile an vielen Gesellschaften mit bedeutenden Anteilen (>5 %) beteiligt und haben so bei Hauptversammlungen eine gewisse Macht.
Im Oktober 2018 verhinderte der englische ETF-Anbieter L&G gemeinsam mit anderen englischen aktiven Fondsgesellschaften beim Lebensmittelkonzern Unilever die Beendigung des unwirtschaftlichen, doppelten Geschäftssitzes in Rotterdam und London zugunsten einer einzigen Konzernzentrale in Rotterdam. Mit einer einzigen Zentrale in Rotterdam wäre Unilever aus dem größten britischen Index, dem FTSE 100, ausgeschieden. Dies hätte große Umschichtungen in den auf diesen Index ausgegebenen ETFs notwendig gemacht. Die Doppelung ist jedoch sowohl für Unilever als auch für Aktionäre nachteilig und kostenintensiv.
Im Januar 2020 forderte Larry Fink, CEO des weltgrößten ETF-Anbieters BlackRock, in einem Brief an andere Geschäftsführer und an Kunden von BlackRock mehr Nachhaltigkeit von Unternehmen und kündigte an, dass sich BlackRock hierfür mit seinen Produkten und durch Ausübung der Stimmrechte einsetzen werde. Zum einen übt der „passive“ Anbieter damit aktiven Einfluss auf die Geschäftspolitik von Unternehmen aus und widerspricht damit seinen eigenen Grundsätzen. Zum anderen fallen gerade Fink und BlackRock durch forcierte Wachstumsstrategien in menschenrechtsverachtenden Diktaturen auf. Dadurch drängt sich der Verdacht auf, Fink wollte mit seiner Initiative vor allem von seinem eigenen Handeln ablenken. Mit dem Geld anderer ist es immer leichter Partikularinteressen voranzutreiben. Richtig macht es das aber nicht.
12. Wenig langfristige Erfahrungen mit ETFs
Indexfonds sind eine Modeerscheinung der letzten 20 Jahre mit überwiegend freundlichen Börsen. Wie sie sich in wirklich schwierigen Börsensituationen verhalten, bleibt abzuwarten.
Ein Rückblick zeigt z.B., dass im Zeitraum vom 07.03.2000 bis zum 12.03.2003 der Dax einen Verlust von etwa -73 % erlitt. Hätte es damals schon einen ETF auf den DAX gegeben, wäre dessen Kurseinbruch wegen der Fondskosten sogar noch höher gewesen. Bei guten aktiv verwalteten Fonds lag der Verlust im gleichen Zeitraum bei etwa -50 %.
Auch im Zeitraum vom 01.01.2000 bis zum 31.12.2003 sank der DAX noch um -43 %. Im gleichen Zeitraum erzielte die RIV in ihren aktiv verwalteten Kundendepots einem kumulierten Gewinn von 5,6 %.
Auch die Erfahrungen aus den weniger heftigen Kurseinbrüchen von 2008, Anfang 2016, 2020 und 2024 sprechen für eine wesentlich höhere Volatilität der Indexfonds im Vergleich zu professionell und aktiv verwalteten, breit streuenden Aktien- und Mischfonds.
Fazit
Auch mit ETFs gilt: Sich selbst um sein Vermögen zu kümmern, kostet Zeit und Energie und setzt ein gewisses Fachwissen voraus. Wer seine Geldanlagen in die eigene Hand nehmen will, muss sich in das Thema einarbeiten und sich regelmäßig damit auseinandersetzen. ETFs sind weder so einfach noch so trivial oder risikoarm wie in Publikationen häufig suggeriert wird.
Zudem ist für die Verwaltung des eigenen Vermögens eine große Menge Disziplin nötig. Die Versuchung ist riesig, bei starken Kursanstiegen oder -rücksetzern emotional zu handeln und zur ungünstigen Zeit die eigene Anlagestrategie zu ändern, um den optimalen Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu finden.
Wer sich dieser Versuchung nicht aussetzen will und auch nicht die notwendige Zeit mitbringt, sich tief in das Thema Geldanlage einzuarbeiten und schrittweise teure Erfahrung zu sammeln, für den kann ein aktiv gemanagter Fonds die bessere Lösung sein.
Wir von der R.I. Vermögensbetreuung AG bieten Anlegern seit fast 30 Jahren eine unkomplizierte, langfristig rentable und liquide Kapitalanlage von unabhängiger Seite.
Mehr über uns und unsere Fonds erfahren Sie auf unseren Seiten. Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen persönlich zur Verfügung.
Historische Wertentwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf ähnliche Entwicklungen in der Zukunft zu. Die Fonds können auch innerhalb kurzer Zeiträume erheblichen Schwankungen nach oben oder nach unten unterworfen sein. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt und das Basisinformationsblatt, bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen. Beides finden Sie auf der jeweiligen Fondsseite des RIV Rationalinvest VVF, des RIV Aktieninvest Global und des RIV Zusatzversorgung kostenfrei und in deutscher Sprache. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte in deutscher Sprache finden Sie hier.
