Bestandsaufnahme der aktuellen Lage

Negativzinsen erscheinen zunächst absurd und widersprechen jeglicher Logik. Es ist schwierig sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Kreditnehmer belohnt und Sparer bestraft werden. Rund zwölf Jahre nach der Finanzkrise von 2008 ist aber genau das in weiten Teilen der Welt und insbesondere in Europa die Realität. Hier senkte zunächst die europäische Zentralbank EZB den Einlagenzins für Banken auf unter null. Statt Geld risikolos verzinst bei der Zentralbank zu parken, sollen Banken so angeregt werden Geld zu verleihen, um Investitionen und Ausgaben von Unternehmen und Verbrauchern zu stimulieren. Dies soll die Konjunktur ankurbeln, führt aber auch zu massiven Verzerrungen durch unbeabsichtigte Zweit- und Dritteffekte, wie beispielsweise renditearme Lebensversicherungen, späteres Renteneintrittsalter, steigende Immobilienpreise, uvm. Diese verstärken sich je länger dieser Zustand anhält. Inzwischen geben Banken, deren Geschäftsmodelle stark unter Druck stehen, den negativen Einlagenzins immer häufiger auch an Privatkunden weiter. Während dies anfangs ausschließlich höhere Bankguthaben, beispielsweise ab über zwei Millionen Euro, betraf, so sinkt diese Grenze bei immer mehr Banken. Mittlerweile wird bei einigen Instituten bereits Vermögen ab dem ersten Euro negativ verzinst. Das Ergebnis: für das Ersparte gibt es keinen Cent, zusätzlich wird das Geld durch Negativzinsen und Bankgebühren aufgefressen. Statt Geldvermehrung erleiden Sparer am Ende einen unumkehrbaren Geldverlust.

Ein historischer Blick auf die langfristige Zinsentwicklung

Betrachtet man die Zinsentwicklung in einem historischen Kontext, so stellt man fest, dass sich der Realzins, die Differenz von nominaler Verzinsung und Inflation, bereits seit 500 Jahren im Sinkflug befindet. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der Harvard-Historiker Paul Schmelzing in seinem im Januar dieses Jahres für die Bank of England erschienenen Arbeitspapier „Eight centuries of global real interest rates, R-G, and the ‘suprasecular’ decline, 1311–2018“, in welchem er die letzten 700 Jahre der westlichen Kreditgeschichte akribisch ausgewertet hat. Seine Analyse zeigt, dass der Realzins im betrachteten Zeitraum im Durchschnitt um etwa 1,6% pro Jahrhundert sank und um die Jahrtausendwende die Null-Prozentmarke durchbrach, um anschließend im negativen Bereich zu verweilen. Als langfristig wirkender struktureller Haupttreiber für diese Zinsentwicklung wurde eine gestiegene Kapitalbildung ausgemacht. Begünstigt wird diese durch die seit Jahrhunderten sinkende Anzahl von globalen Katastrophen und Konflikten zwischen Staaten und die damit verbundene reduzierte Zerstörung von physischen Produktionsfaktoren in Form von Humankapital und Sachkapital. Der Autor schließt daraus, dass sich die Zinsen zukünftig permanent im negativen Bereich bewegen könnten.

Darüber hinaus wirken Faktoren, wie Konjunktur- und Kreditzyklen, Geld- und Fiskalpolitik kurz- bis mittelfristig. Besonders die hohe Staatsverschuldung lässt Notenbanken, deren Unabhängigkeit weltweit immer stärker von Politikern untergraben wird, keine andere Wahl, als die Zinsen so niedrig zu halten wie in jüngster Zeit. Denn bei einem Zinsanstieg würde den hoch verschuldeten Staaten durch stark ansteigende Zinskosten die Insolvenz drohen. Dies könnte zu katastrophalen Auswirkungen wie beispielsweise einem Zusammenbruch von Rentensystemen oder gar Staaten führen.

Bei einer weiteren Zinssenkung hingegen würde eine Flucht ins Bargeld drohen, was ohne Gegenmaßnahmen eine Destabilisierung des gesamten Finanzsystems zur Folge haben könnte. Maßnahmen, die solch eine Flucht unterbinden könnten, bestehen bereits und wurden in der Vergangenheit auch schon umgesetzt. Zu nennen ist das Instrument der Kapitalkontrollen, in Form von Bargeld-Abhebelimits wie beispielsweise in jüngster Vergangenheit in Griechenland oder Zypern. Auch eine Abschaffung von Bargeld, ersetzt durch elektronische Bezahlmöglichkeiten, würde die Manövrierfähigkeit der Zentralbanken und deren Geldpolitik erhöhen und scheint nicht ganz abwegig zu sein, haben doch der Internationale Währungsfonds IWF und die EZB diese Möglichkeit bereits intensiv untersucht und deren Implementierung durchgespielt. Kehrseite dieser Maßnahmen wären staatliche Überwachungs- und Sanktionsmöglichkeiten, welche die Privatsphäre und Zahlungsfreiheit von Bürgern massiv einschränken könnten. Konkrete Pläne zur Umsetzung solcher Maßnahmen gibt es derzeit aber noch nicht. Auf mittelfristige Sicht sehen wir daher weder einen deutlichen Rückgang noch einen deutlichen Anstieg des Realzinsniveaus.

Was bedeutet das jetzt konkret für Anleger?

Historisch gesehen haben Anleger mit festverzinslichen Anlagen, sogar in Deutschland durch Hyperinflation oder Währungsschnitte und in anderen Ländern auch durch Staatspleiten, mehrfach großen Schaden, bis hin zum Komplettverlust, erlitten. Schon seit Jahren verschärft sich die Situation von negativen Realzinsen, um die zugrundeliegenden strukturellen Probleme zu übertünchen. Aufgrund des damit einhergehenden steigenden Inflationsrisikos halten wir es für sinnvoll den Anlageschwerpunkt auf Sachwerte und Produktivkapital zu legen. Diese bieten langfristig einen gewissen Schutz vor Inflation und die besten Chancen auf reale Erträge. Aktien sind dabei aufgrund der endlos erscheinenden verschiedenen Unternehmensschwerpunkte in alle möglichen Branchen und Ländern, bei gleichzeitiger börsentäglicher Handelbarkeit, das Anlageinstrument unserer Wahl. Weltweit breit gestreut finden sich diese in den RIV- Fonds, die ihren Schwerpunkt auf Qualitätsaktien legen, wieder. Die RIV-Fonds vermeiden dadurch Klumpenrisiken bieten Anlegern eine leicht zugängliche Möglichkeit an oben genannten Chancen zu partizipieren.

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