Das Coronavirus SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Erkrankung Covid-19 ist seit Februar das weltweit bestimmende Thema. Nahezu jede damit im Zusammenhang stehende Nachricht löst volatile Reaktionen an den Kapitalmärkten aus, sowohl nach unten als auch nach oben. Im ältesten Aktienindex, dem Dow Jones, führte dies seit Bestehen ab 1885 am 16. März zum zweitgrößten Tagesverlust mit -12,9 % und am 24. März zum größten Tagesgewinn seit 1933 mit +11,4 %. Zahlreiche weitere Tage im März schafften es in die Liste der 20 größten Tagesbewegungen. In Summe erfuhren die Aktienmärkte heftige Kursrückgänge, die im Ausmaß an die Finanzmarktkrise 2008 erinnern, aber mit deutlich schnellerer Geschwindigkeit erfolgten. So fiel beispielsweise der Dax in der Spitze um mehr als 40 %. Die Abverkäufe erfolgten global und über alle Währungsräume und Branchen hinweg und variierten im Ausmaß nur geringfügig.

Eindämmung der Pandemie

Um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und die Gesundheitssysteme vor Überlastung zu schützen wurden weltweit umfassende Maßnahmen umgesetzt. Anfängliche Einschränkungen bei Veranstaltungen, Touristik und Kollektivverkehr wurden schnell auf striktere Maßnahmen wie die Schließung eines Großteils des Einzelhandels, Restaurants, uvm. ausgeweitet. Mittlerweile sind Grenzen und öffentliche Einrichtungen geschlossen, in zahlreichen Regionen herrschen strikte Ausgangsbeschränkungen oder zumindest Kontaktverbote sowie die Aufforderung soziale Kontakte zu meiden. So harsch und einschränkend diese Maßnahmen sind, sie zeigen bereits erste Wirkung.

Ein gutes Beispiel sind Italien und Spanien, zwei Länder, die besonders stark vom Virus betroffen sind, aber auch entsprechend früh die oben genannten Maßnahmen ergriffen haben. Auffällig ist, dass etwa 11 Tage nach Einführung der Maßnahmen erste Erfolge sichtbar werden. Diese Entwicklung ist auch in Österreich, welches strikte Maßnahmen ergriffen hatte und Deutschland, welches erst zögerlich reagierte, zu sehen. Die folgende Abbildung zeigt dies deutlich.

Abbildung 1: Anzahl der Neuinfektionen

Italien:

Deutschland:

Spanien:

Österreich:

Anmerkung: Tag der Einführung von Maßnahmen rot; 11 Tage darauf grün
Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus/, abgerufen am 07.04.2020

Grundsätzlich spiegeln obige Zahlen die jeweilige Tendenz in den einzelnen Ländern wider, denn die Datengrundlage ist für jedes Land unterschiedlich, basiert auf unterschiedlichen Prozessen und ist daher schwer vergleichbar. Beispielsweise spielt die Anzahl der durchgeführten Tests auf Corona, die Dauer der Auswertung der Tests, der Wechsel zu Tests mit kürzerer Auswertungsdauer, die Dauer von Fall-Meldungen und viele weitere Variablen eine wichtige Rolle für die Aussagekraft und Auswertung der Daten.

Eine grobe Einschätzung über den Verlauf der Ansteckungswelle und der Viruserkrankung selbst lieferte der Fall des Kreuzfahrtschiffs Diamond Princess, welches sich unbeabsichtigt zu einem geschlossenen Experiment entwickelte. Nachdem ein Passagier positiv auf Covid-19 getestet wurde, stellte man Ende Februar die gesamte Schiffsbesatzung vor der japanischen Küste unter Quarantäne. Von den insgesamt 3.711 Passagieren wurden 712 (19,2%) positiv auf Covid-19 getestet. 331 der positiv getesteten Passagiere hatten keine Symptome. Von den 381 symptomatischen Patienten waren 37 auf intensive Pflege angewiesen. Es gab 10 Todesfälle, was eine Sterblichkeitsrate von 1,4% impliziert, welche deutlich unter der aktuellen Sterblichkeitsrate in Italien oder Spanien liegt.

Insgesamt ist es wichtig die Datenqualität zu erhöhen und insbesondere innereuropäisch anzugleichen und zu vereinheitlichen, um eine bessere Vergleichs- und Entscheidungs-grundlage zu ermöglichen.

Die durch die getroffenen Maßnahmen gewonnene Zeit wird genutzt um Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Die Entwicklung letzterer dauert etwas länger und wird zumindest in großem Umfang voraussichtlich erst im nächsten Jahr zur Verfügung stehen. Die Entwicklung von Medikamenten gestaltet sich schneller, befinden sich mehrere Medikamente doch schon in der letzten Phase von klinischen Studien vor der Zulassung. Dabei handelt es sich um bereits bestehende und für Menschen sichere Medikamente, die ursprünglich gegen andere Krankheiten wie Grippe, Malaria, Asthma, HIV, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Ebola entwickelt wurden. Der Einsatz gegen Covid-19 stellt lediglich ein neues Anwendungsfeld dar. Nach erfolgreichen Labortests und erfolgreichen ersten Anwendung in China muss aber noch die Wirksamkeit im Rahmen von klinischen Studien nachgewiesen werden, um einen flächendeckenden Einsatz zu ermöglichen. Die derzeit vielversprechendsten Medikamente sind Avigan mit Wirkstoff Favipiravir, Chloroquine und Hydroxychloroquin in Verbindung mit Zink, Alvesco, Kaletra, Futhan sowie Remdesivir. Darüber hinaus gibt es andere Behandlungsmöglichkeit, wie intravenös verabreichtes hochdosiertes Vitamin-C oder die Behandlung von Erkrankten mit Blutplasma von genesenen Patienten zur Übertragung derer Antikörper, welches bereits die Zulassung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA erhalten hat. Während also in den Medien eine schlechte Nachricht der nächsten folgt, gibt es also bereits erste Anzeichen, die Zuversicht in der Bewältigung von Covid-19 erlauben.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus

Auf die Wirtschaft hat das Coronavirus bereits jetzt schon immense Auswirkungen. Anfangs hatte die Wirtschaft, als die Verbreitung des Virus noch auf China beschränkt war, volkswirtschaftlich noch mit einem begrenzten Angebotsschock zu tun, der vor allem Lieferketten einzelner Unternehmen betraf. Mittlerweile hat sich die Problematik aber durch die weltweit getroffenen Maßnahmen des Abstandwahrens, insbesondere der Schließung von Geschäften, um eine neue Dimension erweitert, die die Einkommen von Menschen bedroht und damit zu einem Nachfrageschock führt. Diese Schock-Kombination trifft die Wirtschaft stark und ist auch schon in den ersten wirtschaftlichen Kennzahlen ersichtlich. Beispielsweise verzeichnete das US-Arbeitsministerium mit rund 3,3 Millionen Neu-Arbeitslosen in nur einer Woche letzten Donnerstag einen Rekordanstieg. Mittlerweile wird mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums in ähnlicher Größenordnung wie in der Finanzkrise von 2008 gerechnet, so erwartet der Sachverständigenrat Wirtschaft in seinem Sondergutachten angesichts der Corona-Pandemie im zweiten Quartal 2020 ein Rückgang des Bruttoinlandprodukts in Höhe von -4,5 %.

Der bevorstehende wirtschaftliche Abschwung wird neben Konsequenzen für Privathaushalte vor allem auch die Staatsfinanzen belasten. Dies lies Kreditaufschläge, selbst für die solidesten Staaten, in kürzester Zeit von niedrigsten Niveaus aus deutlich ansteigen. Besonders betroffen waren aber die schon vorher hoch verschuldeten Staaten, wie die Eurozonen-Peripherie-Staaten, deren Kreditaufschläge sich im Vergleich zu Deutschland stark ausweiteten. Erst das entschiedene Eingreifen der Notenbanken linderten die Kapitalmarktsorgen, wie folgende Abbildung zeigt.

Abbildung 2: Nominalrendite 10-jähriger Bundesanleihen und Renditeaufschlag italienischer 10-jähriger Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen in 2020

Bundesanleihen-Rendite in %:

Quelle: Refinitiv EIKON, abgerufen am 03.04.2020

Italienischer Renditeaufschlag in Basispunkten:

Wirtschaftliche Maßnahmen gegen die Coronakrise

Weltweit haben Notenbanken beispielslose geldpolitische Maßnahmen umgesetzt, um die Auswirkungen der Rezession abzufedern. Seit Jahresbeginn wurden weltweit 65 Mal die Leitzinsen von Notenbanken gesenkt und Wertpapier-Kaufprogramme in Höhe von 7 Billionen USD allein in diesem Jahr angekündigt. Welche Wertpapiere gekauft werden unterscheidet sich von Zentralbank zu Zentralbank. Beispielsweise hat die japanische Notenbank sein bestehendes Aktien-Kaufprogramm verdoppelt. In Europa war die EZB beim Staatsanleihen-Kaufprogrammen vor kurzem noch in der Auswahl der zu kaufenden Anleihen in Bezug auf Rating, Kaufmenge eines Emittenten, uvm., eingeschränkt. Nun sind fast alle bestehenden Regeln außer Kraft gesetzt. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass die als Ramsch gerateten Griechenland-Anleihen wieder von der EZB erworben werden dürfen oder dass die EZB mehr als 33 % der ausstehenden Anleihen eines Emittenten halten darf. In den USA erwirbt die Fed Anleihen ohne Oberlimit nach Bedarf und hat die Art der zu kaufenden Wertpapiere deutlich ausgeweitet. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Maßnahmen ergriffen, besonders wichtig war die Versorgung vieler Zentralbanken weltweit mit dringend benötigten US-Dollar durch die amerikanische Fed. Entsprechend stieg die Bilanzsumme der Fed in einem noch nie dagewesenen Tempo auf einen neuen Rekordstand von 5.812 Mrd. USD an. Der alte Höchststand lag bei 4.516 Mrd. USD im Januar 2015, noch im August 2019 lag die Bilanzsumme bei 3.760 Mrd. USD.

Abbildung 3: Bilanzsumme der amerikanischen Federal Reserve in Billionen USD

Quelle: https://fred.stlouisfed.org, abgerufen am 01.04.2020

Gleichzeitig haben Staaten fiskalpolitische Maßnahmen zur Sicherung der kurzfristigen Liquidität von Unternehmen sowie massive Konjunkturmaßnahmen in Höhe von 5 Billionen USD umgesetzt. Sogar unkonventionelle und bis vor kurzem unvorstellbare Maßnahmen werden ergriffen. Bestes Beispiel hierfür ist das sogenannte Helikoptergeld, welches in den USA zum Einsatz kommt und bei dem der Staat den Bürgern bis zu 1.200 USD pro Person per Scheck zusendet. In Deutschland greift der Bund auf ein aus der Finanzkrise 2008 bewährtes Mittel zurück, die Kurzarbeit. Dabei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit zwischen 60 und 67 Prozent des Lohns der Arbeitnehmer. Erste Großunternehmen wie Lufthansa, Volkswagen und Daimler schickten bereits zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit. Aktuell erwarten 25% aller Firmen in Deutschland Kurzarbeit. Für Kleinunternehmen werden auf Landes- und Bundesebene neben Kreditbürgschaften auch Hilfen angeboten, die die kurzfristige Liquidität sichern sollen. Für drei Monate soll den Unternehmen in Abhängigkeit der Anzahl der Beschäftigten zwischen 9.000 EUR und 30.000 EUR zufließen. Als wie effektiv sich diese Maßnahmen erweisen und ob die Maßnahmen ausreichen oder ob nachgebessert werden muss, wird sich bald zeigen.

Schrittweise Rückkehr zur Normalität

Insgesamt entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung wird die Dauer des derzeitig vorherrschenden wirtschaftlichen Stillstands. Von Tag zu Tag werden im politischen Diskurs die Stimmen nach einer ausformulierten Exit-Strategie lauter. Die deutsche Regierung hält sich zum aktuellen Zeitpunkt noch bedeckt, anderorts wie beispielsweise in den USA oder in Dänemark wird schon laut über Lockerungsmaßnahmen nachgedacht und Für und Wider diskutiert. Als erstes europäisches Land hat Österreich, das bereits einen sichtbaren Erfolg bei der Eindämmung des Virus aufweisen kann, bereits erste Schritte zur Rückkehr zur Normalität beschlossen. Demnach werden ab dem 14. April zunächst kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte öffnen, das Tragen eines Mundschutzes wird zur Pflicht. Unter der Voraussetzung, dass sich der Verlauf der Pandemie weiterhin bessert, plant die österreichische Regierung ab Mai alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure zu öffnen. Der Mangel an Hygieneartikeln wie wirksame Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, auch aufgrund von fehlenden regionalen Produktionskapazitäten, erschweren allerdings aktuell eine ganzheitliche Exit-Strategie. Es bleibt zu hoffen, dass nach der Krise aus diesen Versäumnissen gelernt wird.

Eines ist sicher, die Covid-19-Pandemie wird vorbeigehen, die Frage ist nur wann. Je früher dies der Fall ist, desto weniger Schaden wird die Wirtschaft nehmen. Strukturell stand die Wirtschaft noch vor einigen Wochen durchaus solide da, herrschten doch in einem Großteil der Länder rekordtiefe Arbeitslosenzahlen und ein Mangel an Fachkräften. Ein verhältnismäßig zeitnahes Überstehen der Krise könnte zu einer schnellen Erholung der Wirtschaft führen. Sobald dafür die ersten Anzeichen sichtbar werden, kann sich dies sehr schnell in den Aktienkursen abbilden. Allerdings rechnen wir in den nächsten Wochen weiterhin mit heftigen Ausschlägen an den Börsen sowohl nach unten als auch nach oben. Es gilt also weiterhin besonnen zu agieren. In unseren Fonds beobachten und analysieren wir daher laufend, wie sich die aktuelle Situation auf die Unternehmen mittel- bis langfristig auswirkt, um gegebenenfalls angemessen reagieren zu können.

Anlegen in der Coronakrise

Als langfristige Anleger sind wir darauf bedacht qualitativ hochwertige Unternehmen mit attraktiven Zukunftsaussichten auszuwählen, die auch kurzfristige Turbulenzen, wie die derzeitigen, überstehen können. Gerade in solchen Zeiten, in welchen Abverkäufe ohne Differenzierung stattgefunden haben, ergeben sich oft auch aussichtsreiche Chancen, die es jetzt zu nutzen gilt. Eine breite internationale Streuung hilft dabei die Risiken zu mindern. Die grundlegenden Argumente für Anlagen in Aktien als Sachwerte und Produktivkapital, die auch schon vor Corona galten, haben sich mit den oben beschriebenen geldpolitischen und fiskalpolitischen Maßnahmen noch einmal drastisch verschärft. Aus unserer Sicht gibt es wenig Alternativen um die Kaufkraft langfristig zu erhalten oder gar zu mehren als Anlagen in Aktien. Den entsprechend langfristigen Anlagehorizont muss der Anleger mitbringt und auch die mitunter heftigen Schwankungen ertragen können.

Mit unseren Fondslösungen können Anleger ihr Vermögen ohne großen Verwaltungs- und Zeitaufwand von der RIV verwalten lassen. Durch unsere transparente monatliche Berichterstattung bleiben Sie dabei bestens informiert.

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