Pandemie-Dilemma: Gesundheitsschutz versus Wirtschaftserholung

Mit Ausnahme Großbritanniens und Russlands nahm das Pandemie-Geschehen in Europa soweit ab, dass viele Regierungen, auch unter dem zunehmenden Druck ihrer Bürger, spürbare Lockerungen von den persönlichen Einschränkungen gewährten und ein schrittweises Anfahren der Wirtschaft ermöglichten. Die angestrebten Grenzöffnungen könnten sogar Sommerurlaub eingeschränkt möglich machen, was ein Hoffnungszeichen für die südlichen Tourismus-Länder bedeutet.

Die USA ist weiterhin ein Zentrum der Pandemie, doch die Anzahl der Neuinfektionen und Todesfälle ist rückläufig. Präsident Trump fordert schnelle Lockerungen, damit die Wirtschaft schnellstmöglich wieder in Schwung kommt und er so mit Rückenwind in die Präsidentschaftswahl starten kann. Die Umsetzung liegt jedoch bei zahlreichen von den oppositionellen Demokraten getragenen Regional-/Lokalregierungen, bei welchen er jedoch auf Widerstand stößt. Diese widersetzen sich auch der harten Law-and-Order-Politik Trumps angesichts der Ausschreitungen und Plünderungen bei Rassenunruhen infolge eines durch Polizeigewalt zu Tode gekommenen Afroamerikaners.

China fährt seine Wirtschaft zunehmend hoch. Im April stieg die Industrieproduktion um 3,9% (Vergleichsbasis: Vorjahresmonat).

Per Monatssaldo resultierten in den großen Aktienmärkten z.T. deutliche Kursanstiege. Sie bewegten sich zwischen +1,4 % bei europäischen Aktien (Stoxx Europe 50) und +8,3 % bei japanischen Aktien (Nikkei 225). Dabei belastete Trumps Androhung neuer Handelssanktionen gegen China wegen intransparenten Umgang mit der Genese des Coronavirus und der verschärften Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong durch ein neues Sicherheitsgesetz. Laut USA verliert Hongkong damit den Status einer unabhängigen Sonderwirtschaftszone.

BVG bemängelt Staatsanleihenkäufe

Das Bundesverfassungsgericht hat die Praxis der Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank in einer frühen Phase des ersten derartigen Kaufprogramms zwischen Januar 2015 und September 2016 in Teilen für rechtswidrig erklärt. Bemängelt wurde, dass die EZB die Käufe nicht hinreichend geprüft und ordentlich begründet habe. Dies solle die EZB nachholen, ansonsten solle der Deutschen Bundesbank zukünftig die Teilnahme an solchen Kaufprogrammen untersagt werden.

Damit hat erstmals ein nationales Gericht gegen die höhere Instanz, den Europäischen Gerichtshof, der die EZB-Praxis zuvor durchgewunken hatte, geurteilt. Dies zieht das gesamte Rechtssystem der Europäischen Union in Zweifel, weswegen die EU-Kommission auch ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland erwägt. Auch wenn das BVG das aktuell angelaufene EZB-Kaufprogramm zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bei seinem Urteil ausgenommen hat, stellt sich die Frage, ob die Teilnahme der Bundesbank an solchen Programmen auf Dauer zulässig ist.

Zuschüsse statt Kredite

Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron haben einen 500 Mrd. EUR schweren Wiederaufbaufonds vorgeschlagen. Dieser soll EU-Länder, die besonders schwer von der Pandemie betroffen sind, mit Zuschüssen unterstützen. Das Geld soll von der EU aufgenommen werden, womit deren grundsätzliches Verschuldungsverbot ausgehebelt wird. Deutschland hätte als größter Nettozahler der EU die höchste Belastung aller 27 Mitgliedsstaaten. Die EU-Kommission hat den Merkel/Macron-Vorschlag in ihren Plan („Next Generation EU“), der zusätzlich noch Kredite über 250 Mrd. EUR vorsieht, integriert. Die Beschlussfassung muss einstimmig erfolgen.

Transaktionen im Fokus

Rationalinvest (Neukauf): Die britisch-niederländische Unilever ist einer der weltweit führenden Konsumgüter-Hersteller, dessen ca. 400 Marken, die pro Jahr einen Umsatz von ca. 52 Mrd. EUR generieren, in drei Sparten organisiert sind: Körperpflegeprodukte mit bekannten Marken wie Dove, Axe; Nahrungsmittel und Erfrischungsgetränke mit Knorr, Langnese, Lipton; Haushaltsprodukte mit Cif, Domestos.

In einer wettbewerbsintensiven Branche hebt sich Unilever von seinen großen Konkurrenten durch eine starke Präsenz in Schwellenländern ab. Die Region Asien, Nahost, Russland hat 46% Umsatzanteil, Amerika 32% und Europa 22%. Das stärkere Bevölkerungswachstum in Schwellenländern bietet eine gute Wachstumsperspektive, überdies greift dort das Qualitätsversprechen von Marken noch stärker als etwa in Europa, wo billige Handelsmarken den Markenartiklern zusetzen.

Unilever ist aktuell vergleichsweise günstig bewertet. Die Fundamentalkennzahlen und das Geschäftsmodell sind grundsolide. Darüber hinaus bietet Unilever im Vergleich mit großen Wettbewerbern die höchste Dividendenrendite. Hinzu kommt, dass der Aktienkurs sich nach dem Corona-Rücksetzer bisher noch nicht so schnell erholt wie der seiner Wettbewerber. Dies haben wir zum Einstieg genutzt.

Aktieninvest (Nachkauf), Zusatzversorgung: Das infolge der Pandemie ab März einbrechende Industriegeschäft des französischen Verbindungselemente-Spezialisten LISI, der die Sektoren Luftfahrt, Automobil und Medizin adressiert, führte im ersten Quartal zu einem Umsatzrückgang um 11 % auf 400 Mio. EUR. Wir haben den günstigen Aktienkurs des bilanziell gesunden Unternehmens, das auch von den schon beschlossenen Hilfen des französischen Staates für die Autoindustrie profitieren wird, zum Nachkauf genutzt.

Aktieninvest (Nachkauf), Zusatzversorgung: Der Luftverkehr ist im Zuge der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen. Der britische Triebwerksbauer rechnet damit, dass er im laufenden Jahr von den ursprünglich geplanten 450 Triebwerken nur 250 ausliefern kann. Das macht für Rolls-Royce Holdings eine Produktionskürzung, verbunden mit einem rigorosen Effizienzprogramm, durch das umgerechnet über 1,1 Mrd. EUR eingespart werden sollen, unumgänglich. Ziel ist es, mit einer angemessenen Kostenbasis, aus der aktuellen Phase gestärkt hervorzugehen. Wir haben den attraktiven Aktienkurs zum Nachkauf genutzt, zumal aus China erste positive Nachfrage-Signale gemeldet werden.

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