Das Zahlungsmittel der Zukunft, das digitale Gold oder auch ein sicherer Hafen in Zeiten von Inflation: Als all das wurden Kryptowährungen bereits tituliert. Während El Salvador die bekannteste Kryptowährung Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel erklärte, hat China den Bitcoin kurzerhand verboten – und steht damit nicht allein. Zuletzt verbot Russland im Juli 2022 Zahlungen in Kryptowährungen, Besitz und Handel bleiben erlaubt. Was ist steckt hinter der Kontroverse? Wozu sind Kryptowährungen überhaupt geeignet? Und handelt es sich dabei tatsächlich um Währungen?

Funktionen von Geld

Geld in Form von Währungen erfüllt drei Funktionen: Zahlungsmittel, Wertspeicher und Recheneinheit. Um diese Funktionen zu erfüllen, muss das Geld allgemein akzeptiert, wertbeständig und teilbar sein. Dazu werden in der Regel Zahlungsmittel von Regierungen festgelegt – sogenannte Fiatwährungen, die im Gegensatz zu Warengeld (Gold, Silber, Tabak, Salz usw.) keinen inneren Wert besitzen, sondern von der Glaubwürdigkeit ihrer Werthaltigkeit, die durch Notenbanken und implizit Regierungen bestimmt wird, leben. Weltweit gibt es aktuell über 160 Fiatwährungen. Die bekannteste ist der US-Dollar, der als internationale Leitwährung gilt.

Kryptowährungen als tägliches Zahlungsmittel

Kryptowährungen sind als tägliches Zahlungsmittel in den meisten Staaten weder allgemein akzeptiert noch sonderlich weit verbreitet. Zwar sind Zahlungen in Kryptowährungen in vielen Staaten nicht verboten, jedoch hat nur eine einzige Kryptowährung – der Bitcoin – den Status als offizielles Zahlungsmittel und das auch nur in zwei Staaten der Welt: in El Salvador und seit kurzem auch in der Zentralafrikanischen Republik. In El Salvador, das im September 2021 als erstes Land den Bitcoin anerkannte, verläuft die Annahme des neuen Zahlungsmittels aber schleppend: Die Bürger des Landes setzten auch nach der Einführung des neuen Zahlungsmittels oft lieber auf Bargeld. Im Februar 2022 nutzten nur 20 % der Salvadorianer das offizielle Wallet „Chivo“, das zur Verwahrung der Bitcoins genutzt werden soll, trotz starker Anreize des Staats, sich die App herunterzuladen. Die Möglichkeit, Steuern in Bitcoin zu bezahlen, wurde nur von 5 % der Bürger in Anspruch genommen. Darüber hinaus akzeptierten im Februar 2022 nur 20 % der Firmen in El Salvador Bitcoin und nur 11 % der Unternehmen gaben an, Verkäufe in Bitcoin getätigt zu haben. Tägliches Zahlungsmittel ist der Bitcoin also selbst in Ländern, die ihn zu einem solchen erklärt haben, bisher nicht geworden.

Auch aufgrund seiner niedrigen Transaktionsgeschwindigkeit ist der Bitcoin als tägliches Zahlungsmittel ungeeignet: Die Bestätigung einer Transaktion dauert im Bitcoin-Netzwerk durchschnittlich 10 Minuten. Doch auch wesentlich längere Transaktionszeiten sind möglich. Wollen Nutzer Transaktionen ohne Zahlung einer Gebühr vornehmen, so kann die Bestätigung gar Tage oder Wochen dauern. Hinzu kommt, dass die dem Bitcoin zugrundeliegende Blockchain lediglich 7 bis 10 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten kann. Verfechter von Kryptowährungen haben dieses Problem auch erkannt und versuchen beispielsweise mit sogenannten Second-Layer-Lösungen Abhilfe zu schaffen. Im Gegensatz hierzu erfolgt die Bestätigung bei zentralisierten Zahlungsabwicklern wie Kreditkartenfirmen dagegen in der Regel innerhalb von Sekunden. Die durchschnittliche Anzahl an verarbeiteten Transkationen pro Sekunde betrug bei Visa beispielsweise zuletzt 1.700 bei einer (vermeintlichen) Kapazität von 24.000 Transaktionen pro Sekunde.

Hinzu kommt der, im Vergleich zu Fiatgeld hohe Energieverbrauch zur Verifizierung von Zahlungen: Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht mittlerweile so viel Energie wie Argentinien. Effizienz sieht anders aus.

Kryptowährungen als Wertspeicher

Im Gegensatz zu Fiatwährungen sind die Kurse von Kryptowährungen wie dem Bitcoin regelmäßig starken Schwankungen ausgesetzt. Bereits in der Vergangenheit gab es sogenannte „Krypto-Winter“, in denen die Kurse kontinuierlich fielen und sich auf längere Zeit nicht wieder erholten. Dies war beispielsweise 2014 und 2018 der Fall.

Auch der Crash 2022 könnte ein Auftakt für einen Krypto-Winter sein, da er in ein besonders schwieriges wirtschaftliches Umfeld fällt: Lieferkettenprobleme infolge der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs, Inflation und eine beginnende Energie-Krise sorgen an den Finanzmärkten für schlechte Stimmung, die auch vor den Kursen von Kryptowährungen nicht Halt macht. Auch steigende Zinsen lassen riskante Anlageformen wie Kryptowährungen relativ unattraktiver werden.

Allein der Kurs des Bitcoins hat in den letzten 12 Monaten enorme Schwankungen verzeichnet. Stand er im November 2021 noch bei knapp 60.000 Euro, so fiel er im Juni 2022 auf unter 20.000 Euro. Der Bitcoin ist also keineswegs eine vom Weltgeschehen entkoppelte, sichere Wertanlage oder gar ein Wertspeicher. Abbildung 1 zeigt, dass der Bitcoin gerade im letzten Jahr eine starke Tendenz zur Korrelation mit dem NASDAQ 100 aufwies. So verhielt sich die Kryptowährung am Markt mehr wie eine Tech-Aktie und nicht wie eine Absicherung gegen Inflation und den Wertverlust von Fiatwährungen. Während die Verbraucherpreise im letzten Jahr in die Höhe schossen und die Inflation so hoch wie lange nicht mehr ist, verlor der Bitcoin gegenüber dem US-Dollar um über 60 % an Wert. Damit wäre Bitcoin alles andere als ein sicherer Hafen oder gar das digitale Gold, das Käufer in ihm sehen.

Korrelation Bitcoin Nasdaq

Abbildung 1: Korrelation zwischen Bitcoin und Nasdaq-100

Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 450 Milliarden Euro (Stand 08.08.2022) ist der Bitcoin die größte Kryptowährung und der bekannteste Vertreter eines eher unübersichtlichen Felds. Im Juli 2022 gab es über 10.000 Kryptowährungen.

Bei kleineren Kryptowährungen sieht es nicht besser aus, was Schwankungen angeht, im Gegenteil: So verloren beispielsweise der an den USD geknüpfte „Stablecoin“ Terra USD und die dazugehörige Kryptowährung Luna im Mai 2022 innerhalb weniger Tage nahezu ihre gesamte Marktkapitalisierung. Viele weitere kleinere Kryptowährungen können schlicht als Betrug abgestempelt werden. Als stabiler Wertspeicher haben Kryptowährungen bisher nicht gedient.

Kryptowährungen als Recheneinheit

Mit Geld als Recheneinheit lassen sich die Preise von unterschiedlichen Gütern und Dienstleistungen miteinander vergleichen: Nahrungsmittel, Maschinen, Fahrzeuge, Autos etc. Als internationale Leitwährung fungiert der US-Dollar. So werden unter anderem die meisten Rohstoffe in US-Dollar gehandelt. Beispielsweise zahlt Europa den Großteil seiner Energieimporte in US-Dollar – und das, obwohl diese nur zu einem sehr geringen Teil aus den USA kommen. Zahlungen zwischen Banken in US-Dollar werden über das internationale Finanzkommunikationssystem SWIFT abgewickelt. Länder wie der Iran oder Russland, die mit Finanzsanktionen belegt und von SWIFT ausgeschlossen wurden, können de facto nicht mehr am internationalen Handel teilnehmen. Diese Länder suchen daher nach Alternativen zum Zahlungsverkehr in US-Dollar. Dabei spielen auch Kryptowährungen eine Rolle. So hat der Iran am 8. August 2022 erstmals einen Import im Wert von 10 Millionen Dollar in einer nicht genannten Kryptowährung bezahlt.

Dies knüpft an den Grundgedanken an, der hinter der Schaffung der ersten Kryptowährung Bitcoin stand: Staat und Geld sollten getrennt und eine Alternative zum von Zentralbanken ausgegebenen Geld geschaffen werden. Keiner sollte die Macht haben, Geld zu kontrollieren oder Zahlungen zu verhindern. Politische Einflüsse auf Zentralbanken und das von ihnen verwaltete Geldsystem sollten verhindert werden.

Denn im Gegensatz zu Fiatwährungen werden Kryptowährungen nicht von Zentralbanken kontrolliert, sondern über ein dezentralisiertes Computer-Netzwerk verwaltet. Sie basieren auf der Blockchain-Technologie: Transaktionen werden in Datengliedern (Blöcken) zusammengefasst, die wiederum mit historischen Transaktionen verknüpft werden, indem sie an die bestehende Datenkette (Chain) angehängt werden. Eine Manipulation dieser Datenkette ist nahezu ausgeschlossen, da die Informationen allen Nutzern zur Verfügung stehen. Aufgrund dieser Vorteile eignet sich die Blockchain-Technologie nicht nur als Basis für Kryptowährungen, sondern auch für weitere Bereiche wie beispielsweise Finanzdienstleistungen, auf die wir später kurz eingehen.

Verwendung von Kryptowährungen für dubiose Zwecke

Einerseits machen Dezentralisierung und Unabhängigkeit von Staaten und Zentralbanken den Reiz von Kryptowährungen aus, andererseits können Kryptowährungen genau darum für dubiose Zwecke genutzt werden. So gelten sie als Mittel der Wahl, um große Summen auch anonym überweisen zu können und werden daher unter anderem mit Steuerhinterziehung, Schwarzgeld und Terrorismusfinanzierung in Verbindung gebracht. Auch aus diesen Gründen wollen immer mehr Staaten Kryptowährungen engmaschig regulieren. Die EU plant dazu die MiCA- Verordnung (Markets in Crypto Assets). So sollen Kryptobörsen in der EU in Zukunft eine Zulassung benötigen und verpflichtet werden, die Daten von Sendern und Empfängern zu sammeln und Transaktionen von über 1.000 Euro zu melden. Damit soll das in der Finanzindustrie bereits penibel umgesetzte und immer wieder verschärfte Know-Your-Customer-Prinzip auch auf die Krypto-Welt ausgeweitet werden und dort Anwendung finden. Schutzsysteme wie Einlagensicherung oder Anlegerentschädigung gelten für Kryptobörsen jedoch weiterhin nicht.

Darüber hinaus denken zahlreiche Staaten darüber nach, eigenes digitales Zentralbankgeld zu schaffen, um einem Machtverlust durch eine zunehmende Privatisierung des Zahlungsverkehrs vorzubeugen, ihren Einfluss zu verteidigen und Geldmengen leichter zu steuern. Bereits im Oktober 2020 führten die Bahamas als erstes Land der Welt mit dem Sand Dollar eine digitale Version des bahamischen Dollar ein. China testet seit April 2020 die eigene digitale Währung E-Yuan. In Europa erprobt die schwedische Rijksbank die e-krona und die EZB testet verschiedene Ansätze und Technologien zur Bereitstellung eines digitalen Euro.

Kryptowährungen – was bleibt?

Kryptowährungen und die zugrunde liegende Blockchain-Technologie gaben und geben also in vieler Hinsicht Impulse für die Digitalisierung des Finanzsektors. So wurden bereits 2019 die ersten Aktientransaktionen an einer Börse über die Blockchain abgewickelt. Schon 2017 emittierte Daimler einen 100-Millionen-Schuldschein auch als Blockchain-Variante. In den USA hat die Börsenaufsicht SEC im Januar 2022 der Boston Security Token Exchange (BSTX) die Genehmigung erteilt, als Blockchain-basierte Börse am Markt zu agieren. Der Einsatz der Blockchain-Technologie spart Kosten, können doch zentrale Verwaltungsakteure bei der Abwicklung von Transaktionen eingespart werden. Blockchain ermöglicht Anlegern im Prinzip, Wertpapiere direkt untereinander zu handeln, ohne dass Banken und Verwahrstellen zwischengeschaltet werden müssen. Auf Broker kann verzichtet werden und Clearing-Prozesse werden erheblich vereinfacht. Ein Aktienkauf könnte so innerhalb von Minuten abgewickelt werden statt wie gegenwärtig innerhalb von zwei Tagen. Auch die Tokenisierung von Wertpapieren wie z.B. Aktien erweitert deren Handelbarkeit über die Börsenzeiten hinaus und kann Vorteile mit sich bringen.

Was bedeutet das für Anleger?

Die Funktion des täglichen Zahlungsmittels, des Wertspeichers oder der Recheneinheit erfüllen Kryptowährungen aktuell nicht und sind damit bisher keine Währungen im eigentlichen Sinne.  Auch der Vergleich mit klassischen Anlagen hinkt: Kryptowährungen existieren ausschließlich virtuell und haben keinen intrinsischen Wert, sondern sind ein reines Spekulationsobjekt, bei dem ein Wertzuwachs lediglich realisiert werden kann, wenn ein anderer Marktteilnehmer die Kryptowährung teurer abkauft. Aus unserer Sicht sind Kryptowährungen daher für Anleger nicht geeignet. Bei Anlagen in Aktien handelt es sich dagegen um eine Investition in Sachwerte und einen Besitz an Produktivkapital, das langfristig einen guten Schutz vor Geldentwertung bietet. Dies sehen wir als geeigneteren Weg für Anleger, ihr Vermögen langfristig zu wahren und zu mehren. Dieses Ziel verfolgen wir auch mit unseren RIV-Fonds, die international breit gestreut in sorgfältig ausgewählte Qualitätsaktien anlegen. Mehr zu unseren Fonds finden Sie auf unserer Website. Gerne stehen wir Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Unsere Fonds

Das Zahlungsmittel der Zukunft, das digitale Gold oder auch ein sicherer Hafen in Zeiten von Inflation: Als all das wurden Kryptowährungen bereits tituliert. Während El Salvador die bekannteste Kryptowährung Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel erklärte, hat China den Bitcoin kurzerhand verboten – und steht damit nicht allein. Zuletzt verbot Russland im Juli 2022 Zahlungen in Kryptowährungen, Besitz und Handel bleiben erlaubt. Was ist steckt hinter der Kontroverse? Wozu sind Kryptowährungen überhaupt geeignet? Und handelt es sich dabei tatsächlich um Währungen?

Funktionen von Geld

Geld in Form von Währungen erfüllt drei Funktionen: Zahlungsmittel, Wertspeicher und Recheneinheit. Um diese Funktionen zu erfüllen, muss das Geld allgemein akzeptiert, wertbeständig und teilbar sein. Dazu werden in der Regel Zahlungsmittel von Regierungen festgelegt – sogenannte Fiatwährungen, die im Gegensatz zu Warengeld (Gold, Silber, Tabak, Salz usw.) keinen inneren Wert besitzen, sondern von der Glaubwürdigkeit ihrer Werthaltigkeit, die durch Notenbanken und implizit Regierungen bestimmt wird, leben. Weltweit gibt es aktuell über 160 Fiatwährungen. Die bekannteste ist der US-Dollar, der als internationale Leitwährung gilt.

Kryptowährungen als tägliches Zahlungsmittel

Kryptowährungen sind als tägliches Zahlungsmittel in den meisten Staaten weder allgemein akzeptiert noch sonderlich weit verbreitet. Zwar sind Zahlungen in Kryptowährungen in vielen Staaten nicht verboten, jedoch hat nur eine einzige Kryptowährung – der Bitcoin – den Status als offizielles Zahlungsmittel und das auch nur in zwei Staaten der Welt: in El Salvador und seit kurzem auch in der Zentralafrikanischen Republik. In El Salvador, das im September 2021 als erstes Land den Bitcoin anerkannte, verläuft die Annahme des neuen Zahlungsmittels aber schleppend: Die Bürger des Landes setzten auch nach der Einführung des neuen Zahlungsmittels oft lieber auf Bargeld. Im Februar 2022 nutzten nur 20 % der Salvadorianer das offizielle Wallet „Chivo“, das zur Verwahrung der Bitcoins genutzt werden soll, trotz starker Anreize des Staats, sich die App herunterzuladen. Die Möglichkeit, Steuern in Bitcoin zu bezahlen, wurde nur von 5 % der Bürger in Anspruch genommen. Darüber hinaus akzeptierten im Februar 2022 nur 20 % der Firmen in El Salvador Bitcoin und nur 11 % der Unternehmen gaben an, Verkäufe in Bitcoin getätigt zu haben. Tägliches Zahlungsmittel ist der Bitcoin also selbst in Ländern, die ihn zu einem solchen erklärt haben, bisher nicht geworden.

Auch aufgrund seiner niedrigen Transaktionsgeschwindigkeit ist der Bitcoin als tägliches Zahlungsmittel ungeeignet: Die Bestätigung einer Transaktion dauert im Bitcoin-Netzwerk durchschnittlich 10 Minuten. Doch auch wesentlich längere Transaktionszeiten sind möglich. Wollen Nutzer Transaktionen ohne Zahlung einer Gebühr vornehmen, so kann die Bestätigung gar Tage oder Wochen dauern. Hinzu kommt, dass die dem Bitcoin zugrundeliegende Blockchain lediglich 7 bis 10 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten kann. Verfechter von Kryptowährungen haben dieses Problem auch erkannt und versuchen beispielsweise mit sogenannten Second-Layer-Lösungen Abhilfe zu schaffen. Im Gegensatz hierzu erfolgt die Bestätigung bei zentralisierten Zahlungsabwicklern wie Kreditkartenfirmen dagegen in der Regel innerhalb von Sekunden. Die durchschnittliche Anzahl an verarbeiteten Transkationen pro Sekunde betrug bei Visa beispielsweise zuletzt 1.700 bei einer (vermeintlichen) Kapazität von 24.000 Transaktionen pro Sekunde.

Hinzu kommt der, im Vergleich zu Fiatgeld hohe Energieverbrauch zur Verifizierung von Zahlungen: Das Bitcoin-Netzwerk verbraucht mittlerweile so viel Energie wie Argentinien. Effizienz sieht anders aus.

Kryptowährungen als Wertspeicher

Im Gegensatz zu Fiatwährungen sind die Kurse von Kryptowährungen wie dem Bitcoin regelmäßig starken Schwankungen ausgesetzt. Bereits in der Vergangenheit gab es sogenannte „Krypto-Winter“, in denen die Kurse kontinuierlich fielen und sich auf längere Zeit nicht wieder erholten. Dies war beispielsweise 2014 und 2018 der Fall.

Auch der Crash 2022 könnte ein Auftakt für einen Krypto-Winter sein, da er in ein besonders schwieriges wirtschaftliches Umfeld fällt: Lieferkettenprobleme infolge der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs, Inflation und eine beginnende Energie-Krise sorgen an den Finanzmärkten für schlechte Stimmung, die auch vor den Kursen von Kryptowährungen nicht Halt macht. Auch steigende Zinsen lassen riskante Anlageformen wie Kryptowährungen relativ unattraktiver werden.

Allein der Kurs des Bitcoins hat in den letzten 12 Monaten enorme Schwankungen verzeichnet. Stand er im November 2021 noch bei knapp 60.000 Euro, so fiel er im Juni 2022 auf unter 20.000 Euro. Der Bitcoin ist also keineswegs eine vom Weltgeschehen entkoppelte, sichere Wertanlage oder gar ein Wertspeicher. Abbildung 1 zeigt, dass der Bitcoin gerade im letzten Jahr eine starke Tendenz zur Korrelation mit dem NASDAQ 100 aufwies. So verhielt sich die Kryptowährung am Markt mehr wie eine Tech-Aktie und nicht wie eine Absicherung gegen Inflation und den Wertverlust von Fiatwährungen. Während die Verbraucherpreise im letzten Jahr in die Höhe schossen und die Inflation so hoch wie lange nicht mehr ist, verlor der Bitcoin gegenüber dem US-Dollar um über 60 % an Wert. Damit wäre Bitcoin alles andere als ein sicherer Hafen oder gar das digitale Gold, das Käufer in ihm sehen.

Korrelation Bitcoin Nasdaq

Abbildung 1: Korrelation zwischen Bitcoin und Nasdaq-100

Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 450 Milliarden Euro (Stand 08.08.2022) ist der Bitcoin die größte Kryptowährung und der bekannteste Vertreter eines eher unübersichtlichen Felds. Im Juli 2022 gab es über 10.000 Kryptowährungen.

Bei kleineren Kryptowährungen sieht es nicht besser aus, was Schwankungen angeht, im Gegenteil: So verloren beispielsweise der an den USD geknüpfte „Stablecoin“ Terra USD und die dazugehörige Kryptowährung Luna im Mai 2022 innerhalb weniger Tage nahezu ihre gesamte Marktkapitalisierung. Viele weitere kleinere Kryptowährungen können schlicht als Betrug abgestempelt werden. Als stabiler Wertspeicher haben Kryptowährungen bisher nicht gedient.

Kryptowährungen als Recheneinheit

Mit Geld als Recheneinheit lassen sich die Preise von unterschiedlichen Gütern und Dienstleistungen miteinander vergleichen: Nahrungsmittel, Maschinen, Fahrzeuge, Autos etc. Als internationale Leitwährung fungiert der US-Dollar. So werden unter anderem die meisten Rohstoffe in US-Dollar gehandelt. Beispielsweise zahlt Europa den Großteil seiner Energieimporte in US-Dollar – und das, obwohl diese nur zu einem sehr geringen Teil aus den USA kommen. Zahlungen zwischen Banken in US-Dollar werden über das internationale Finanzkommunikationssystem SWIFT abgewickelt. Länder wie der Iran oder Russland, die mit Finanzsanktionen belegt und von SWIFT ausgeschlossen wurden, können de facto nicht mehr am internationalen Handel teilnehmen. Diese Länder suchen daher nach Alternativen zum Zahlungsverkehr in US-Dollar. Dabei spielen auch Kryptowährungen eine Rolle. So hat der Iran am 8. August 2022 erstmals einen Import im Wert von 10 Millionen Dollar in einer nicht genannten Kryptowährung bezahlt.

Dies knüpft an den Grundgedanken an, der hinter der Schaffung der ersten Kryptowährung Bitcoin stand: Staat und Geld sollten getrennt und eine Alternative zum von Zentralbanken ausgegebenen Geld geschaffen werden. Keiner sollte die Macht haben, Geld zu kontrollieren oder Zahlungen zu verhindern. Politische Einflüsse auf Zentralbanken und das von ihnen verwaltete Geldsystem sollten verhindert werden.

Denn im Gegensatz zu Fiatwährungen werden Kryptowährungen nicht von Zentralbanken kontrolliert, sondern über ein dezentralisiertes Computer-Netzwerk verwaltet. Sie basieren auf der Blockchain-Technologie: Transaktionen werden in Datengliedern (Blöcken) zusammengefasst, die wiederum mit historischen Transaktionen verknüpft werden, indem sie an die bestehende Datenkette (Chain) angehängt werden. Eine Manipulation dieser Datenkette ist nahezu ausgeschlossen, da die Informationen allen Nutzern zur Verfügung stehen. Aufgrund dieser Vorteile eignet sich die Blockchain-Technologie nicht nur als Basis für Kryptowährungen, sondern auch für weitere Bereiche wie beispielsweise Finanzdienstleistungen, auf die wir später kurz eingehen.

Verwendung von Kryptowährungen für dubiose Zwecke

Einerseits machen Dezentralisierung und Unabhängigkeit von Staaten und Zentralbanken den Reiz von Kryptowährungen aus, andererseits können Kryptowährungen genau darum für dubiose Zwecke genutzt werden. So gelten sie als Mittel der Wahl, um große Summen auch anonym überweisen zu können und werden daher unter anderem mit Steuerhinterziehung, Schwarzgeld und Terrorismusfinanzierung in Verbindung gebracht. Auch aus diesen Gründen wollen immer mehr Staaten Kryptowährungen engmaschig regulieren. Die EU plant dazu die MiCA- Verordnung (Markets in Crypto Assets). So sollen Kryptobörsen in der EU in Zukunft eine Zulassung benötigen und verpflichtet werden, die Daten von Sendern und Empfängern zu sammeln und Transaktionen von über 1.000 Euro zu melden. Damit soll das in der Finanzindustrie bereits penibel umgesetzte und immer wieder verschärfte Know-Your-Customer-Prinzip auch auf die Krypto-Welt ausgeweitet werden und dort Anwendung finden. Schutzsysteme wie Einlagensicherung oder Anlegerentschädigung gelten für Kryptobörsen jedoch weiterhin nicht.

Darüber hinaus denken zahlreiche Staaten darüber nach, eigenes digitales Zentralbankgeld zu schaffen, um einem Machtverlust durch eine zunehmende Privatisierung des Zahlungsverkehrs vorzubeugen, ihren Einfluss zu verteidigen und Geldmengen leichter zu steuern. Bereits im Oktober 2020 führten die Bahamas als erstes Land der Welt mit dem Sand Dollar eine digitale Version des bahamischen Dollar ein. China testet seit April 2020 die eigene digitale Währung E-Yuan. In Europa erprobt die schwedische Rijksbank die e-krona und die EZB testet verschiedene Ansätze und Technologien zur Bereitstellung eines digitalen Euro.

Kryptowährungen – was bleibt?

Kryptowährungen und die zugrunde liegende Blockchain-Technologie gaben und geben also in vieler Hinsicht Impulse für die Digitalisierung des Finanzsektors. So wurden bereits 2019 die ersten Aktientransaktionen an einer Börse über die Blockchain abgewickelt. Schon 2017 emittierte Daimler einen 100-Millionen-Schuldschein auch als Blockchain-Variante. In den USA hat die Börsenaufsicht SEC im Januar 2022 der Boston Security Token Exchange (BSTX) die Genehmigung erteilt, als Blockchain-basierte Börse am Markt zu agieren. Der Einsatz der Blockchain-Technologie spart Kosten, können doch zentrale Verwaltungsakteure bei der Abwicklung von Transaktionen eingespart werden. Blockchain ermöglicht Anlegern im Prinzip, Wertpapiere direkt untereinander zu handeln, ohne dass Banken und Verwahrstellen zwischengeschaltet werden müssen. Auf Broker kann verzichtet werden und Clearing-Prozesse werden erheblich vereinfacht. Ein Aktienkauf könnte so innerhalb von Minuten abgewickelt werden statt wie gegenwärtig innerhalb von zwei Tagen. Auch die Tokenisierung von Wertpapieren wie z.B. Aktien erweitert deren Handelbarkeit über die Börsenzeiten hinaus und kann Vorteile mit sich bringen.

Was bedeutet das für Anleger?

Die Funktion des täglichen Zahlungsmittels, des Wertspeichers oder der Recheneinheit erfüllen Kryptowährungen aktuell nicht und sind damit bisher keine Währungen im eigentlichen Sinne.  Auch der Vergleich mit klassischen Anlagen hinkt: Kryptowährungen existieren ausschließlich virtuell und haben keinen intrinsischen Wert, sondern sind ein reines Spekulationsobjekt, bei dem ein Wertzuwachs lediglich realisiert werden kann, wenn ein anderer Marktteilnehmer die Kryptowährung teurer abkauft. Aus unserer Sicht sind Kryptowährungen daher für Anleger nicht geeignet. Bei Anlagen in Aktien handelt es sich dagegen um eine Investition in Sachwerte und einen Besitz an Produktivkapital, das langfristig einen guten Schutz vor Geldentwertung bietet. Dies sehen wir als geeigneteren Weg für Anleger, ihr Vermögen langfristig zu wahren und zu mehren. Dieses Ziel verfolgen wir auch mit unseren RIV-Fonds, die international breit gestreut in sorgfältig ausgewählte Qualitätsaktien anlegen. Mehr zu unseren Fonds finden Sie auf unserer Website. Gerne stehen wir Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Unsere Fonds